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„Alan Kurdi“ ändert Kurs Richtung Malta | ZEIT ONLINE

Das
deutsche Rettungsschiff „Alan Kurdi“ mit 65 Geretteten an Bord hat nach
stundenlangem Warten vor der italienischen Insel Lampedusa Kurs auf
Malta genommen. Das schrieb die Hilfsorganisation Sea-Eye aus Regensburg
auf Twitter. Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte dem Schiff das Einlaufen in den Hafen strikt verboten.

„Wir können nicht
abwarten, bis an Bord der Notstand ausbricht“, sagte Sea-Eye-Einsatzleiter
Gorden Isler am Samstag am Telefon. Ohne
Hilfe von außen werde die Lage in zwei bis drei Tagen kritisch an Bord.
In Malta werde die „Alan Kurdi“ voraussichtlich am Sonntagmittag
eintreffen.

„Wenn die Staats- und Regierungschefs ihre Kritik am italienischen
Innenminister ernst meinen, können sie uns auf Malta einlaufen lassen.
Dort könnten sowohl die Geretteten als auch die Crew sicher anlanden“,
wurde Isler in der Mitteilung
von Sea-Eye zitiert. Er appellierte an Innenminister Horst Seehofer (CSU), die Geretteten aufzunehmen und auf einige der
hilfsbereiten deutschen Kommunen zu verteilen.

Die „Alan Kurdi“
hatte nach eigenen Angaben am Freitag 65 Menschen von einem Schlauchboot
im Mittelmeer gerettet und lag seither in internationalen Gewässern vor
Lampedusa. Ein Angebot der libyschen Küstenwache, den Hafen der Stadt
Sawija als „sicheren Zufluchtsort“ anzulaufen, lehnte das Rettungsschiff
ab. Am Samstagmorgen hatte Sea-Eye bei Twitter mitgeteilt, die
italienische Finanzpolizei sei „persönlich vorbeigekommen“, um ein
Dekret des Innenministers Matteo Salvini zu überbringen: „Der Hafen ist
zu.“

Horst Seehofer (CSU) hatte an seinen italienischen Amtskollegen appelliert, Rettungsschiffe anlegen zu lassen – vergeblich. Salvini forderte stattdessen, den Schiffen die deutsche Flagge zu entziehen.

„Alex“ darf zu Ermittlungszwecken in Italien anlegen

Unterdessen erhielten die Menschen an Bord des
italienischen Rettungsschiffes „Alex“ Erlaubnis, in Lampedusa an Land zu
gehen
. Das teilte das italienische Innenministerium am Abend mit. Das
Schiff mit 41 aus dem Mittelmeer geretteten Migranten war zuvor entgegen
des Verbots Salvinis in den Hafen der italienischen Mittelmeerinsel eingelaufen
. Malta war zwar bereit, die Migranten an Bord der „Alex“ aufzunehmen. Doch die Fahrt sei zu gefährlich, teilte die NGO Mediterranea mit.

Salvini hatte zunächst verkündet, er selbst würde nicht
erlauben, dass jemand von der „Alex“ an Land gelassen werde. Die
Entscheidung, die Menschen an Land zu lassen, habe nun die Finanzpolizei
zu Ermittlungszwecken getroffen. Sie untersteht dem
Wirtschaftsministerium und nicht Salvinis Innenministerium. Der relativ kleine Motorsegler ist nur für 18 Menschen zugelassen. Es waren aber 60 Menschen an Bord.

Unterdessen barg die tunesische
Küstenwache am Samstag 14 Leichen von Migranzen, deren Boot ebenfalls von Libyen aus gestartet und gekentert war. Insgesamt waren 80 Menschen
an Bord, teilte die Hilfsorganisation Roter Halbmond mit. Das Schicksal der anderen Insassen
war zunächst nicht klar. Im Mai ertranken nach einer Kenterung
mindestens 65 Menschen nach dem Ablegen in
Libyen vor der Küste Tunesiens.

Ex-Kanzler Kurz: Gerettete Migranten nicht nach Europa bringen

Österreichs früherer Regierungschef Sebastian Kurz gab Salvini Rückendeckung. Er halte es für falsch,
dass Hilfsorganisationen gerettete Migranten nach Europa bringen, sagte der Politiker der Österreichischen
Volkspartei (ÖVP) der Welt am Sonntag. „Sie wecken
damit nur falsche Hoffnungen und locken damit womöglich unabsichtlich
noch mehr Menschen in Gefahr.“

„Solange die Rettung im
Mittelmeer mit dem Ticket nach Mitteleuropa verbunden ist, machen sich
immer mehr Menschen auf den Weg“, sagte Kurz. Nur wenn Europa
sicherstelle, dass jeder, der sich illegal auf den Weg macht, in sein
Herkunftsland oder in ein Transitland zurückgebracht wird, werde das
Ertrinken im Mittelmeer enden.

Kurz steht für eine restriktive
Migrationspolitik, die auf einen Ausbau des Schutzes der EU-Außengrenzen
und einen strengeren Umgang mit Immigranten im Inland setzt.

Die
meisten im Mittelmeer geretteten Migranten haben sich von Libyen aus
auf die gefährliche Überfahrt in meist überfüllten Schlauchbooten
gemacht. In dem nordafrikanischen Staat werden die Menschenrechte jedoch
in vielen Fällen massiv verletzt. Das Weltstrafgericht in Den Haag
untersucht mutmaßliche Verbrechen in den Flüchtlingslagern. Dabei geht
es um Tötungen, Vergewaltigungen und Folter. Zudem tobt in Libyen ein
bewaffneter Machtkampf. Erst vergangene Woche starben 44 Menschen bei
einem mutmaßlichen Luftangriff auf ein Internierungslager mit
afrikanischen Migranten.

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